I
Aestuans intrinsecus
Ira vehementi
In amaritudine
Loquor meae menti:
Factus de materia
Levis elementi
Folio sum similis
De quo ludent venti. |
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1
Heißer Scham und Reue voll,
Wildem Grimm zum Raube
Schlag' ich voller Bitterkeit
An mein Herz, das taube:
Windgeschaffen, federleicht,
Locker wie aus Staube,
Gleich ich leichter Lüfte Spiel,
Gleich' ich einem Laube! |
II
Mihi cordis gravitas
Res videtur gravis;
Iocus est amabilis
Dulciorque favis.
Quidquid Venus imperat,
Labor est suavis;
Quae nunquam in cordibus
Habitat ignavis. |
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2
Traurigkeit - ein traurig Ding,
Das mich mag verschonen;
Scherz geht über Honigseim,
Der will sich verlohnen.
Mir ist in Frau Venus Dienst
Eine Lust zu fronen,
Die in eines Narren Herz
Nie hat mögen wohnen. |
III
Secundo redarguor
Etiam de ludo,
Sed cum ludus corpore
Me dimittat nudo,
Frigidus exterius
Mentis aestu sudo,
Tunc versus et carmina
Meliora cudo. |
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3
Zweitens hab' ich auch das Spiel
Leider nicht gemieden.
Doch sooft vom Spieltisch ich
Blank und bloß geschieden,
Hub im Frost des Leibes mir
An der Geist zu sieden:
Vers' und Lieder kann ich traun
Dann die besten schmieden. |
IV
Tertio capitulo
Memoro tabernam:
Illa nullo tempore
Sprevi neque spernam,
Donec sanctos angelos
Venientes cernam
Cantantes pro mortuis
"Requiem aeternam". |
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4
Drittens: Wirtshaussünden auch
Machen mich beklommen:
Eine Kneipe war mir stets,
Bleibt mir stets willkommen,
Bis dereinst die Engel nah'n,
Bis mein Ohr vernommen
Ihren heil'gen Sterbegruß:
"Ew'ge Ruh den Frommen!" |
V
Meum est propositum
In taberna mori,
Ubi vina proxima
Morientis ori.
Tunc cantabunt lactius
Angelorum chori:
"Sit Deus propitius
Huic patatori!" |
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5
Mein Begehr und Willen ist:
In der Kneipe sterben,
Wo mir Wein die Lippen netzt,
Bis sie sich entfärben!
Aller Englein Jubelchor
Wird dann für mich werben:
"Laß den wackren Zechkumpan,
Herr, dein Reich ererben!" |
VI
Poculis accenditur
Animi lucerna,
Cor imbutum nectare
Volat ad superna.
Mihi sabit dulcius
Vinum de taberna
Quam quod aqua miscuit
Praesulis pincerna. |
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6
Nur beim vollen Becher flammt
Auf des Geistes Leuchte,
Von der Erde hebt das Herz
Sich, das nektarfeuchte;
Doch beim Wirt ein frischer Trunk
Stets mir besser deuchte,
Als im Kloster, wo den Geist
Wasser ihm verseuchte. |
VII
Tales versus facio,
Quale vinum bibo,
Nihil possum facere
Nisi sumpto cibo;
Nihil valent penitus,
Quae quae iciunus scribo:
Nasonem post calices
Carmine praeibo. |
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7
"So die Verse wie der Wein!"
Ist bei mir zu sagen;
Nie bring' ich ein Werk zustand,
Fehlt mir was zu nagen;
Nimmer taugte was ich je
Schrieb bei leerem Magen -
Hinterm Glas will mit Ovid
Ich den Wettstreit wagen! |
VIII
Electe Coloniae,
Parce nunc egenti!
Fac misericordiam
Famulo petenti
Et da paenitentiam
Culpae paenitenti:
Feram, quidquid iusseris,
Animo libenti. |
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8
Kölns Erwählter, schicke mich
Nicht vor fremde Türen!
Gönn' es deinem flehenden
Diener, dich zu rühren!
Buße seiner Missetat
Laß den Büßer spüren:
Was dein Spruch ihm auferlegt,
Wird er gern vollführen. |
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